Schwarz, schwärzer... eine Lidl-Chronik

Januar 2004 bis Juli 2004: Bei Recherchen zum "Schwarz-Buch Lidl" der Gewerkschaft ver.di verdichtet sich die Annahme, dass der Discounter verdeckte Videoüberwachung gegen Beschäftigte einsetzt, zur Gewissheit. Mehr als ein Dutzend Zeugenaussagen aus allen Landesteilen bestätigen dieses Vorgehen sowie ein rigides, die Persönlichkeitsrechte verletzendes Kontrollsystem.

September 2004: Dem Discounter Lidl wird in Bielefeld der Negativpreis "Big Brother Award" (www.bigbrotherawards.de) verliehen. In der Laudatio werden auch die Ergebnisse  der Schwarz-Buch-Recherchen zu Videoüberwachung und Kontrolle bei Lidl als Begründung aufgeführt.

Dezember 2004: Wenige Tage vor Veröffentlichung des "Schwarz-Buches Lidl" der Journalisten Andreas Hamann und Gudrun Giese, in dem ver.di die  auf Einschüchterung, Druck und Personalknappheit basierenden Arbeitsbedingungen aufdeckt, räumt Lidl erstmalig Videoüberwachung ein: "Ebenfalls werden Video-Kameras – im übrigen vollkommen durch die Rechtsprechung abgedeckt – eingesetzt, allerdings erst, wenn ein absolut konkreter Verdacht gegen einzelne Mitarbeiter vorliegt", heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem ZDF (Frontal 21).

Januar 2005 bis Mai 2006: Bei Recherchen zum "Schwarz-Buch Lidl Europa" von ver.di stellt sich heraus, dass Videoüberwachung der Beschäftigten auch in anderen Länder Europas – besonderes krass in einem Lidl-Lager in Frankreich (Nantes) – zum Repertoire der Personalführung gehört.
 
Juni 2006: Erscheinen des  "Schwarz-Buches Lidl Europa" (Andreas Hamann u. a.) Dort wird stellvertretend für andere Fälle, die mit Zeugenaussagen belegt sind, aus einem Spitzelprotokoll der Detektei HIS von 2004 zitiert. Es  stammt aus einer Flensburger Lidl-Filiale. Ein Originalzitat: "Herr D. erwartet von seiner Partnerin Nachwuchs und benötigt nach eigenen Angaben zurzeit viel Geld". Überschrieben ist das entsprechende Kapitel mit "Verdeckte Videokameras und präzise Psychogramme".

Juli 2006 bis März 2008: Nach Erscheinen dieses zweiten "Schwarz-Buches" stellen sich weitere Zeugen zur Verfügung, die Opfer einer verdeckten Videoüberwachung geworden waren. Mit einem weiteren internen Dokument kann belegt werden, dass die Firma HIS Sicherheitsdienst, die schon in Flensburg beauftragt war, Anfang 2006 auch in einer Filiale in Rheinland-Pfalz Miniaturspezialkameras eingesetzt hat.

In ihrer öffentlichen Kampagne für faire Arbeitsbedingungen bei Lidl macht die Gewerkschaft ver.di immer wieder auf Videoüberwachung, Betriebsratsfeindlichkeit und andere undemokratische Praktiken der Geschäftsführung aufmerksam.

März 2008: Der "stern" kann – in wesentlichen gestützt auf umfangreiche Dokumente einer von Lidl beauftragten Detektei – sowie eigene Recherchen (Arnsperger/Grill) die Bespitzelung der Beschäftigten in über 200 Filialen nachweisen.

April 2008: Lidl-Chef Klaus Gehrig erklärt in "Bild": "Wir haben davon nichts gewusst..." Das entspricht nicht der Wahrheit, denn die beiden Schwarz-Bücher von ver.di zu Lidl, in denen erstmals Videoüberwachung und rigide Kontrollen bei diesem Discounter aufgedeckt worden sind, liegen der Geschäftsführung in Neckarsulm seit 2004 bzw. 2006 vor.

April 2009: Der nächste Lidl-Skandal, die systematische Erfassung von Krankheitsdaten der Beschäftigten, wird vom "Spiegel" enthüllt. ver.di nimmt dies zum Anlass, um das Unternehmen Lidl erneut zu einer Vereinbarung über faire Betriebsratswahlen aufzufordern.

ver.di-Einzelhandelsexperte Ulrich Dalibor: "Wenn es nicht nur in einigen wenigen Filialen, sondern überall bei Lidl Betriebsräte gebe, hätte es diesen neuen Skandal überhaupt nicht gegeben."



Bespitzelung bei Lidl

Märchenstunde in "Bild" – Lidl-Spitze  erwischt

"Bild" hat seit jeher eine exklusive Beziehung zu Lidl. Kritische Töne zum Arbeitsalltag bei diesem Discounter werden systematisch ausgeblendet. Statt dessen gibt es immer mal wieder gemeinsame PR-Aktionen.

Jetzt durfte Klaus Gehrig, Chef von Lidl und Kaufland, per Interview eine 300-Euro-Prämie für die Beschäftigten ankündigen und das Märchen von den unschuldigen Spitzenmanagern erzählen:

"BILD: Wussten Sie persönlich von den Bespitzelungs-Protokollen?
Gehrig: Ganz ehrlich: Uns hat es völlig kalt erwischt. Wir haben davon nichts gewusst und waren genauso fassungslos wie alle anderen auch."

Das ist nachweislich falsch: Tatsächlich weiß die Konzernleitung spätestens seit dem 27. Juni 2006 von solchen Protokollen. An diesem Tag erschien das Schwarz-Buch Lidl Europa. Dort wird stellvertretend für andere aus einem Spitzelprotokoll der Detektei HIS zitiert. Es  stammt aus einer Flensburger Lidl-Filiale. Ein Originalzitat: "Herr D. erwartet von seiner Partnerin Nachwuchs und benötigt nach eigenen Angaben zurzeit viel Geld". Überschrieben ist das entsprechende Kapitel mit "Verdeckte Videokameras und präzise Psychogramme".



TV-Tipp: Tatort

"Wie im richtigen Leben!"

Regisseur Lars Montag hat für seinen Krimi „Kassensturz" bei Discountern recherchiert

Eine männliche Leiche wird auf einer Mülldeponie gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass der Ermordete Gebietsleiter bei einer Discounter-Kette war - und alles andere als beliebt. Die Kommissare beginnen ihre Ermittlungen im Berufsumfeld des Mannes und erhalten tiefe Einblicke in die knallharten Arbeitsbedingungen bei deutschen Discountern.

zum Interview mit dem Regisseur


Lidl-Kampagnen-News

Betriebsräte

Ein großer Erfolg - Der 2. Lidl-Betriebsrat in Hamburg ist im Amt.
Darüber hinaus gründete die frisch gewählte Betriebsratsvorsitzende Astrid Peters gemeinsam mit Tayeb Azzab, dem vor einem Jahr in der Lidl-Filiale Eidelstedter Weg in Hamburg-Eimsbüttel gewählten Arbeitnehmervertreter, einen Gesamtbetriebsrat. Damit gibt es in Hamburg jetzt nicht nur zwei – von bundesweit sieben – Filialbetriebsräte bei Lidl, sondern auch den ersten Gesamtbetriebsrat in diesem Bereich überhaupt.

26.11.2008

ver.di Bezirk Stuttgart dokumentiert bisherige Erfahrungen beim Lidl-Projekt

Die bisherige Arbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen der Gewerkschaft im Rahmen dieses vor knapp zwei Jahren gestarteten Projektes werden in der Broschüre „Die Lidl-Kampagne in Stuttgart – Ein Erfahrungsbericht in Sachen Organizing“ dokumentiert.

22.05.2008

Verhaltenskodex für Lidl und Kaufland vorgestellt

Zur Unterstützung von Vielfalt, Chancengleichheit und Toleranz, Achtung fairer Arbeitsbedingungen sowie zur Wahrung des Rechts auf Interessenvertretung und Koalitionsfreiheit soll sich die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) verpflichten.

22.05.2008

Ein weiterer Betriebsrat bei Lidl

In Renningen bei Stuttgart wurde mit ver.di-Unterstützung am 2. Mai 2008 eine neue Interessenvertretung gewählt.

Gute Zeiten für Betriebsratswahlen bei Lidl: Erstmals seit langem konnten Filialbeschäftigte des bundesweit zweitgrößten Discounters Anfang Mai ohne Druck oder Beeinflussungsversuche einen Betriebsrat wählen.

22.05.2008

Herta Däubler-Gmelin fordert ungehinderte Betriebsratswahlen

Ex-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin wendet sich in einem offenen Brief an die Unternehmenleitung von Lidl.

Bereits in absehbarer Zeit könnte ein von ver.di Baden-Württemberg und der SPD-Bundestagsabgeordneten Herta Däubler-Gmelin initiiertes Gespräch mit der Geschäftsleitung von Lidl zustande kommen. Beide Seiten hatten ihre Bereitschaft dazu signalisiert. Am 1. April hat sich die ehemalige Bundesjustizministerin nun wiederum mit einem Brief an Lidl gewandt.

15.05.2008

RSS-Feed
Diese News können Sie als RSS-Feed abonnieren. Tragen Sie diese Adresse in Ihren Newsreader ein: http://lidl.verdi.de/rss. xml?channel=lidl- kampagnen-news


THEMEN

  • Faire BR-Wahlen

Die Unterschriften-Aktion läuft weiter. Mehrere tausend Menschen haben bereits den Brief an die Lidl-Geschäftsleitung unterzeichnet und fordern, dass Lidl die Vereinbarung annimmt. mehr...


  • Lidl International (english language information)

International unions' cooperation on Lidl: Find out more about Lidl workers' protests in Europe, support them in their fight for better working conditions, respect and justice. more...

  • TransFair-Produkte bei Lidl

TransFair-gesiegelte Produkte bei Lidl - dazu die Position von ver.di

  • Mitmachen!

Es werden nicht nur Unterschriften gesammelt. Zahlreiche Aktionen finden bundesweit und in den Bezirken statt, an denen sich schon jetzt viele Menschen beteiligen.
Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten

  • Betriebsräte

Nur mit Betriebsräten können Beschäftigte alle ihnen zustehenden Rechte im Betrieb nutzen – auch bei Lidl.
Informationen zu Betriebsratswahlen

  • Schwarz-Markt

Die Lidl-Kampagnen-Zeitung dokumentiert Ereignisse bei Lidl, berichtet von Aktivitäten in der Kampagne und bietet Hintergrundinformationen.
Schwarz-Markt-Ausgaben

  • Kunst und Kultur

Die Arbeits- und Produktionsbedingungen bei und für Lidl sind für zahlreiche Künstler zum Thema geworden. Wir stellen einzelne Arbeiten vor.
Kunst um Lidl